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29.06.2014 Enttäuschung, Wut und Frust

Die plötzliche Errichtung der neuen Pastoralen Räume im Bezirk Limburg mit einem Pastoralen Raum Villmar-Brechen hat in Niederbrechen bei vielen Katholiken tiefe Resignation und Enttäuschung, ja Frust und Wut hervorgerufen. Schon der Vorschlag des ehemaligen Bischofs Tebartz van Elst, der aus einem geäußerten „Bauchgefühl“ jenseits aller Sachargumente Villmar zum Sitz der neuen Pfarrei machen wollte, sorgte für ungläubiges Erstaunen und Unverständnis. Der verantwortliche Pfarrgemeinderat von Niederbrechen machte fristgerecht in einem mehrseitigen Papier an das Bischöfliche Ordinariat Richtigstellungen und Korrekturen zum Vorschlag. Nach der Abberufung des Bischofs kam der für April vorgesehene „Pfarreiwerdungsprozess“ ins Stocken. Den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates wurde wiederholt versichert, dass die neue Pfarreienstruktur erst mit einem neuen Bischof verwirklicht werden würde.

Unruhe und Missmut über den Vorschlag des Bischofs aber blieben in der Gemeinde, vor allem, weil die vom Bischöflichen Ordinariat aufgestellten Kriterien für Niederbrechen als Sitz von Pfarrkirche und Pfarramt sprachen. In vielen Gesprächen wurde vor allem das Zustandekommen des bischöflichen Vorschlags heftig kritisiert und bemängelt. In einer Pfarrversammlung im letzten Jahr mussten die Vertreter des Bischöflichen Ordinariats einräumen, dass anscheinend das größere Pfarrhaus in Villmar ausschlagend für den Vorschlag war – nur ist dieses unter Denkmalschutz stehende Pfarrhaus stark renovierungsbedürftig und muss für die neue Verwendung erstmal aus- und umgebaut werden.

Die hier zu erwartenden hohen Baukosten führten zu einer Unterschriftenaktion, die in den letzten zwei Wochen von einer Gruppe in Niederbrechen initiiert und durchgeführt wurde. „Aufgrund der jüngsten Geschehnisse im Bistum Limburg ist gerade das Thema Baukosten ein heißes Eisen. Es ist schwer nachzuvollziehen, warum in Villmar für viel Geld ein Pfarrhaus neu hergerichtet werden soll, während in Niederbrechen ein frisch renoviertes Pfarrhaus mit zwei kompletten Wohnungen, einem Gästezimmer sowie Büro- und Besprechungsräume zur Verfügung stehen.“ erläutert Christel Höhler-Heun, einer der Initiatoren der Unterschriftenaktion. Christl Kremer, eine weitere Initiatorin ergänzt „Wir befürchten, dass es zu einem neuen Ärgernis und zu weiterer Resignation und Verständnislosigkeit unter den Gläubigen führen wird, wenn die tatsächlichen Kosten für das Villmarer Pfarrhaus irgendwann öffentlich werden.“

In den knapp zwei Wochen haben bereits rund 500 Menschen die Aktion mit ihrer Unterschrift unterstützt. Hierin wird an die Verantwortlichen im Bistum Limburg (Apostolischer Administrator Manfred Grothe, Weihbischof Löhr, Generalvikar Rösch und Bezirksdekan Kremer) appelliert, „den Vorschlag des ehemaligen Bischofs wegen der nicht überschaubaren Baukosten in Villmar zurück zu nehmen.“ Nur so könne „die Glaubwürdigkeit der Kirche in der Region nicht noch weiter beschädigt werden.“

Dass die Initiatoren mit ihrer Aktion richtig lagen, zeigte nicht nur die breite Zustimmung für diese Aktion, sondern vor allem die allerjüngste Entwicklung mit der Verkündung, dass Villmar nun doch Pfarrsitz werden soll. „Mich macht weniger die Tatsache, dass Villmar Pfarrsitz wird fassungslos, sondern vor allem, mit welchen Mitteln dieses Ziel umgesetzt wird.“ so Heinz-Günter Roos, der ebenfalls zur Gruppe der Initiatoren zählt. In ersten emotionalen Reaktionen ist in vielen Gesprächen von „Hinhalten“, „Einlullen“, „Augenwischerei“, „Verschleierung“ oder „skandalöse Vorgehensweise“ die Rede. Die drastische Aussage „Lug und Trug sind mit dem Abgang des Bischofs im BO anscheinend immer noch nicht beendet“ spiegelt die fast ohnmächtige Haltung auf der einen Seite wieder, während auf der anderen Seite ein resignierendes „Was soll’s? – Die machen ja doch was sie wollen“ zu hören ist.

Wie geht’s weiter? Die Initiatoren der Unterschriftenaktion wollen die bisher gesammelten Unterschriften auf jeden Fall den Verantwortlichen im Bischöflichen Ordinariat überreichen. „Wir hoffen, dass uns die Verantwortlichen zu einem Gespräch empfangen“, so Christl Kremer „und wollen den Verantwortlichen klar machen, dass die ganzen Begleitumstände, die zu dieser Entscheidung geführt haben, mit großer Fassungslosigkeit und absolutem Unverständnis in Niederbrechen aufgenommen worden sind.“ Heinz-Günter Roos ergänzt: „Vor diesem ganzen leidigen Hintergrund muss man sich wirklich fragen, warum die Zuständigen in Limburg und hier im Pastoralen Raum Brechen-Hünfelden der neuen Pfarrei eine solch schwere Hypothek auferlegt haben.“

Text der Unterschriftenaktion:
An den Apostolischen Administrator des Bistums Limburg, Herrn Weihbischof Manfred Grothe, Leiter des Dezernates Pastorale Dienste,Herrn Weihbischof Dr. Thomas Löhr, Generalvikar Herrn Wolfgang Rösch, Bezirksdekan Herrn Franz-Josef Kremer

Sehr geehrte Herren, unverändert herrscht in der Pfarrgemeinde St. Maximin Niederbrechen und Umgebung großes Erstaunen, Unverständnis und Unmut über den Vorschlag des ehemaligen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, Villmar zum Sitz der Pfarrei neuen Typs für die jetzigen Pastoralen Räume Brechen-Hünfelden und Villmar-Runkel zu machen.

ALLE Kriterien, die vom Bischöflichen Ordinariat selbst aufgestellt wurden, sprachen für Niederbrechen als Sitz für Pfarrkirche und Pfarramt (größte Pfarrei, größte Pfarrkirche etc.). Lediglich das angeblich größere Pfarrhaus in Villmar soll ausschlaggebend für den Vorschlag gewesen sein! Darüber hinaus haben wir den Eindruck, dass nicht die Sachargumente, sondern das auch öffentlich geäußerte „Bauchgefühl des Bischofs“ letztlich zur Entscheidung geführt haben.

Das Pfarrhaus in Niederbrechen ist frisch renoviert und hält schon jetzt neben zwei kompletten Wohnungen und einem Gästezimmer mit Nasszelle mehrere Büro- und Besprechungsräume vor. Außerdem steht das im besten baulichen Zustand befindliche ehemalige Schwesternhaus für Verwaltungsaufgaben zur Verfügung. Im Übrigen sind auch die Pfarrkirche von außen, der Kirchturm, die Altäre, die Orgel und die Sakristei in den letzten Jahren renoviert worden ebenso das Pfarrheim.

Das Pfarrhaus in Villmar hingegen ist bekanntermaßen sehr renovierungsbedürftig und zudem noch nicht einmal komplett ausgebaut. Die Kosten für die Renovierung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes samt Aus- und Umbau sind nicht kalkulierbar!

Im Bistum Limburg herrscht nach wie vor eine große Sensibilität was das Thema Baukosten betrifft. Wenn der vorliegende Vorschlag tatsächlich umgesetzt werden sollte und die daraus resultierenden Kosten an die Öffentlichkeit gelangen, wird dies zu einem neuen Ärgernis und zu weiterer Resignation und Verständnislosigkeit unter den Gläubigen führen.

Wir appellieren an Sie, den Vorschlag des ehemaligen Bischofs wegen der nicht überschaubaren Baukosten in Villmar zurück zu nehmen. Nur so kann unserer Überzeugung nach die Glaubwürdigkeit der Kirche in der Region nicht noch weiter beschädigt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Christel Höhler-Heun, Amtmann-Finger-Str. 4 , 65611 Brechen
Christl Kremer, Wingertsweg 21 , 65611 Brechen
Gregor Beinrucker, Limburger Str. 38 , 65611 Brechen
Gerd Roos, Im Weizenschlag 22 , 65611 Brechen
Heinz-Günter Roos, Feldstr. 15 , 65611 Brechen
Marc Schütz, Beethovenstr. 13, 65611 Brechen

Textquelle: Initiatoren

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